Auf dem Jakobsweg von Speyer nach Metz – german travel report

Über lange Zeit ist in mir der Wunsch gewachsen, zu wandern – daher packte ich Ende August meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg von Speyer nach Metz. Ich möchte im folgenden ein wenig von meinen Erlebnissen berichten.

Ich begann meine Wanderung in der Domstadt Speyer.
Speyer ist eine der ältesten Städte Deutschlands und ist besonders bekannt für seinen mächtigen romanischen Dom.
Für mich war Speyer auch immer mit der Geschichte des ,,Kinderkreuzzuges“ verbunden, einem historischen Ereignis welches im Buch ,,Der Schwarze Mönch“ von Harald Parriger eindrücklich geschildert wird.

In Speyer tigerte ich durch die mittelalterlichen Gassen, musizierte in der prächtigen Hauptstraße und besuchte eine Messe im Dom. Ein Mann in der Jugendherberge in der ich übernachtete, teilte den Gedanken mit mir, wieviele Menschen über die Jahrhunderte ihr Herzblut gegeben haben um den Dom und andere Monumente zu errichten. Die Messe war eine altmodische Liturgie aus gebrochenen Sätzen des Priesters, dem ,,Vater Unser“ und knirschenden, jeglicher Harmonie und Leidenschaft entbehrenden Gesängen. Ich denke, liebe Brüder uns Schwestern, es ist wahrlich an der Zeit, neue Lobgesänge für unser Jahrtausend zu finden und mit neuem Elan zu singen!

Am darauffolgenden Tag folgte ich dem Entschluss meine Wanderung auf dem Jakobsweg zu beginnen, der von Speyer nach Metz führt. Wenngleich das klassische Ziel des Jakobsweg Santiago de Compostela in Galizien ist, zieht er sich wie ein Spinnennetz durch ganz Europa, weil sich einst Pilger von den verschiedensten Orten auf den Weg machten. So lädt er heute überall auch abschnittsweise zur Wanderung ein.

Als ich noch einen Moment vor dem Dom innehielt, trat eine Frau mit strahlenden Augen an mich heran und fragte ob ich Pilger sei. Ich antwortete dass es mein Bestreben sei, einer zu werden. Sie schloss mich daraufhin innigst in die Arme, wünschte mir alles Gute und gab mir noch allerlei gute Ratschläge mit auf den Weg.

Von Speyer führte mich die erste Etappe 30 km durch Spargel- Mais und Weizenfelder sowie kleinere Wälder bis nach Neustadt an der Weinsteige.
In Neustadt schenkte mir eine nette Frau in ihrem Gemischtwarenladen ein üppiges Abendmahl.
Unterkunft fand ich im Kloster Neustadt.
Ich entschloss mich, einen weiteren Tag in Neustadt zu verweilen um meine Knochen auszuruhen und die Stadt zu erkunden. Ich las ein wenig in der guten Nachricht des Mannes aus Nazareth, lauschte einer Big Band beim örtlichen Dorffest, musizierte in der Altstadt und schloss eine denkwürdige Freundschaft.

Von Neustadt begann der Aufstieg in den wunderschönen und mystischen Pfälzerwald, dem Wald der Nibelungen.
Ich labte mich am Rauschen des Windes in den Baumwipfeln, dem Gesang der Vögel und der Farbenpracht des Waldes. Auf dem Weg nach Lambrecht kam ich am ,,Stein des Gleichgewichts“ vorbei, dessen Inschrift mich zutiefst bewegte.

Lambrecht, heute ein verschlafenes Nest, war einst ein bedeutender Industriestandort und berühmt für seine Tuchmachertradition, wie mir eine alte Dame auf dem Marktplatz nostalgisch berichtete.
In der örtlichen Kirche hatte ich die Gelegenheit den Klängen einer original Barockorgel aus dem Jahr 1777 zu lauschen.
Von Lambrecht ging es weiter über Elmstein nach Johanniskreuz, wo Ich das ,,Haus der Nachhaltigkeit“ besuchte, in welchem anschaulich über die vielerlei Möglichkeiten aufklärt wird, wie die Energie- und Wirtschaftswende vorangetrieben werden kann.
(Check out: http://www.hdn-pfalz.de)

Ich wanderte von Johanniskreuz weiter durch den mystischen Pfälzerwald nach Landstuhl.
Unterwegs verschlechterte sich das Wetter, aber bei Regen schien der Wald noch lebendiger zu werden.
Die idyllische Ruhe des Waldes, durch die beizeiten neckend der Ruf des Kuckucks hallte wurde jedoch regelmäßig durch ein anderes, unheilverkündendes Geräusch zerrissen: Düsenjets und Transportflugzeuge kündigten an, dass ich mich der berühmt berüchtigten ,,US Airbaise Ramstein“ näherte. Wie es der Zufall so wollte, fand just zu dieser Zeit ein Demo-Camp statt, auf dem gegen die Airbase demonstriert wurde. Ich entschloss mich meine Pilgerreise zu unterbrechen um auf dem Camp zu singen. Von meinem Aufenthalt im ,,Stop Ramstein Camp“ werde ich in einem separaten Blogeintrag berichten.

Von Landstuhl wanderte ich weiter über Bruchmühlenbach und Hecklandheim nach Homburg, wo ich in der modernsten Jugendherberge Europas übernachtete, die von der BILD nicht zu unrecht als ,,Luxushotel“ bezeichnet wurde.

Von Homburg aus überschritt ich bald die Grenze zum Saarland. Kurz vor Blieskastel entschied ich mich zum ersten Mal die letzten Kilometer per Autostop zurückzulegen. Und tatsächlich hielt gleich der erste Wagen. Der Fahrer war ein junger Mann aus der Gegend, der mich nicht nur nach Blieskastel mitnahm, sondern mir dort auch noch das gediegenste vegane Street-Food-Restaurant zeigte. Check it Out: https://www.facebook.com/WorldFoodTrip/
Der Süßkartoffel Wrap war genau die richtige Stärkung nach den zurückgelegten Kilometern.

Ich wanderte weiter durch das Saarland gen Saarbrücken vorbei an einigen alte Kohle- und Stahlwerken.
Diese Gegend kann als Wiege der europäischen Union bezeichnet werden, die einst aus der ,,Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ hervorging.

Kurz nach Saarbrücken überquerte ich die Grenze zu Frankreich und es tat gut wieder einmal sagen zu können:
,,Un pain au chocolat s’il vous plaît!“
Der Jakobsweg führte mich über Forbach und St Avold durch Lothringen. Diese Gegend ist stark von der Viehzucht geprägt.

Am 16. September trat begab ich mich auf die letzte Etappe von Raville nach Metz. Unterwegs geriet ich in ein Gewitter und es regnete wie aus Eimern. Zudem spürte ich immer mehr, dass die 15 Kilo die ich auf dem Rücken trug, deutlich zu viel sind für Wanderungen dieser Art. Auf den letzen Kilometern tat mir jeder Schritt weh. Ich stellte mich als 10 km vor Metz wieder an die Straße und wurde auch bald wieder mitgenommen und bis kurz vors Stadtzentrum mitgenommen. Ich ging die hundert Meter durch Metz bis zur mächtigen gotischen Kathedrale St.Étienne.

Auf dem Platz vor der Kathedrale ließ ich mich zu Boden fallen und dankte allen Mächten für die Bewältigung des Weges. Kaum lag ich dort so für einige Sekunden und schaute in die Wolken, als sich plötzlich fünf angestrengte Gesichter zu mir herunter beugten und mich energisch fragten, was ich denn da auf dem Boden verloren hätte. Ich antwortete den Menschen, die sich als Polizisten der ..Sécurité National“ herausstellten, dass ich meditierte und sie ließen mich daraufhin einen Moment gewähren.

Fazit: Meine Pilgerreise war ein intensives und ereignisreiches Erlebnis. Das Wandern birgt eine unheimlich heilsame Kraft. Ich werde in Zukunft wieder Fernwanderungen unternehmen, dann aber mit weniger Gepäck und lieber nicht ganz allein.

Immer wieder stellte ich mir die Frage, welch nietzscheanischer Größenwahn mich kurzsichtigen Wicht dazu gebracht hat, mich alleine in den Wald zu begeben.
Oft ging mir die Zeile aus dem wunderschönen Lied von ,,Hin und Her“ durch den Kopf ,,to be true, I just miss all of you!“ Ceck it out: https://soundcloud.com/user-520953005

Die Reise hat mir eine gehörige Lektion in Dankbarkeit und Demut erteilt. Jeder Tag an dem wir im erwachen und etwas zu essen haben ist ein großes Geschenk und die Möglichkeit alle kleinlichen Ängste hinter sich zu lassen und sich tätig in die Gemeinschaft der Liebenden einzugliedern. In die heilige Hochzeit aus Geist und Materie.

Much Love und bis bald

Brother Ben

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